Patenreise 2016

Patenreise 2016

Täglich musste ich mich zwicken, um zu realisieren, dass ich das alles wirklich erlebe, dieses schöne ferne, warme, tropische Land und seine atemberaubende Landschaft, die vielen beeindruckenden Sehenswürdigkeiten und so unendlich viele ergreifende Momente, das alles zusammen mit Bhante Punnarathana, den vielen anderen Mönchen und Leuten zu erleben, begleitet von so vielen sanftmütigen und friedsamen buddhistischen Eindrücken, die herzliche Begegnung und Gastfreundschaft aller Menschen, die uns begegnet sind, das Kennenlernen meines Patenkindes Kavindhya, die Nähe zu Land, Leuten und Tieren und die gemeinsamen schönen und fröhlichen Tage mit der tollen Reisegruppe (die angenehmer nicht hätte sein können!) ließen mich manchmal kaum glauben, dass ich das alles wirklich erlebe. Ich hatte eine traumhafte, fantastische und sehr beeindruckende Zeit und bin sehr froh, dass ich mich dazu entschieden habe, diese Reise zu machen.

Zu meinen ganz persönlichen Highlights gehörten das rührende Kennenlernen meines Patenkindes Kavindaya, der stille Spaziergang mit Bhante und dem Rest der Reisegruppe in Tanthirimale, der frühe Morgen am Bodhi-Baum und anschliessende Besuch des großen Tempels, das für mich sehr bewegende Zusammentreffen mit den nierenkranken Männern, die herzergreifenden Kindergartenbesuche und natürlich die Elefanten, die mich noch mehr als erwartet völlig in ihren Bann gezogen haben und womit für mich ein riesengroßer Traum in Erfüllung gegangen ist. Auch alle anderen Ereignisse, Menschen und Landschaften haben mich sehr beeindruckt. Vieles ging mir sehr nahe und hat mich sehr bewegt. Definitiv hat die Reise mein Leben bereichert und mich auf positive Weise verändert. Danke Bhante, danke Karuna Samadhi, danke liebe Mitreisende, danke Sri Lanka! Ich werde wieder kommen 😉

Alles war sehr aufregend. Ich wusste gar nicht, was mich erwartet. Völlig beeindruckt von der Begrüßungszeremonie und den vielen weiß gekleideten Kindern, die uns an diesem besonderen Tag und diesem besonderen Ort erwarteten habe ich „zufällig“ (ich weiß Zufälle gibt es nicht) MEIN Patenkind Kavindaya erkannt. Das Foto, das ich von ihr habe ist schon mindestens 4 Jahre alt und doch habe ich sie zwischen all den Kindern sofort erkannt. Das alleine war schon ein kleines „Wunder“ für mich. Auf dem Weg zum Tempel dann drehe ich mich um und stelle fest, sie läuft neben mir, wieder so ein „Zufall“. Sie ist eine hübsche zwischenzeitlich junge Frau, extrem schüchtern und verlegen, aber auch sehr klug, denn Ihr Englisch-Lehrer berichtet mir persönlich, dass sie Klassenbeste sei. Ich spüre wie stolz ich bin – auf sie, das singhalesische bislang fremde Mädchen, das sich durch meine Unterstützung weiterbilden kann. Was für ein gutes Gefühl! In diesem Moment sehne ich mich schier danach, diesem Mädchen noch viel mehr zu ermöglichen. Obwohl ich sie nicht kenne, liegt sie mir plötzlich sehr am Herzen. Ihre Mutter hat mich zu ihr nachhause eingeladen. Ich war offen gestanden erst etwas „schockiert“, denn ich war unsicher, wie ich mich verhalten soll, damit ich auch nichts falsch mache.

Wenig später finde ich mich also in dem Bungalow wieder, der von außen prächtig erscheint, innen zwar spärlich eingerichtet, aber doch heimelig und warm wirkt. Ich lernte die ganze Familie kennen, Vater, Bruder, Oma, Opa und Tante. Ich „darf“ mich als Einzige setzen und kriege eine Limonade - alle anderen stehen vor mir und starren mich lächelnd verlegen an, als wäre ich ein „hoher Staatsbesuch“. Die Mutter sprach nur wenig Englisch, der Rest der Familie gar nicht. Ich fühlte mich offen gestanden etwas unwohl, dennoch versuchte ich mit Händen und Füßen die Kommunikation aufrecht zu erhalten, erzählte über mich, meine Familie und mein Leben in „Germany“. Ich weiß nicht, ob sie mich verstanden, sie taten zumindest so :-). Kavindaya traute sich kaum etwas zu sagen, ich bat sie, sich neben mich zu setzen, was sie später auch tat, so dass die Atmosphäre auf mich nicht mehr ganz so angespannt wirkte. Mein Herz war voller Emotionen, ich konnte kaum fassen, dass ich da saß, in Sri Lanka, in dem Haus meines Patenkindes zusammen mit ihrer ganzen Familie .. unfassbar .. ich nahm mir fest vor, alle Emotionen aufzusaugen und diesen unvergesslichen Moment einfach zu genießen. Kavindaya schenkte mir ein Armband, welches sie mir selbst an mein rechtes Armgelenk anlegte. Ich war verblüfft und gleichzeitig so gerührt, dass ich sie direkt in die Arme schloss und fest an mich drückte, ihr zigMal „good Luck“ wünschte und ihr sagte, wie stolz ich auf sie bin. Daraufhin schnappte mich ihre Mutter und drückte mich ganz fest an sich und sagte „thank you, thank you Madam, thank you Germany, very good person you are“ .. ich muss an dieser Stelle nicht betonen, wie enorm nahe mir das ging. Ich war den Tränen nahe. Nachdem wir einige Fotos zur Erinnerung an diesen schönen Moment machten, war es auch schon Zeit uns zu verabschieden. Ich verneigte mich vor allen einzeln mit „Ayubowan“. Die Oma hielt meine Hand ganz fest und ihr Blick bohrte sich direkt in mein Herz, gefüllt von Mitgefühl, Dankbarkeit, Herzlichkeit und Bewunderung. Ich werde diesen Blick, diese Augen niemals vergessen. Ich zitterte zwischenzeitlich am ganzen Körper vor Rührung und Demut und kämpfte erneut mit den Tränen der Rührung. Plötzlich fiel Kavindaya vor mir auf den Boden (Bhante hatte uns beim Treffen im Dezember schon darauf vorbereitet, dass dies hier ein Ritual des Demuts und der Dankbarkeit sei), aber wie sich das tatsächlich anfühlt, darauf kann man niemanden vorbereiten. Es ist mir auch heute noch unmöglich, in Worte zu fassen, wie bewegt ich in diesem Moment war. Der Bruder tat ihr gleich. Spätestens ab jetzt stand ich irgendwie neben mir, fast in tranceähnlichem Schwebezustand fuhr der Vater uns mit dem Tuk-Tuk zurück in den Tempel.

Ich erinnere mich, dass ich nicht wirklich im Stande war, den Mitreisenden bis auf ein paar Bruchteile zu berichten, was mir widerfahren war. Ich bin so unendlich froh und dankbar für diese Begegnung, für die Chance so etwas zu erleben. Ich bin stolz auf dieses mir bis vor kurzem noch völlig fremde Mädchen, das durch mich und künftig mit mir ganz sicher ihren Weg finden wird. Und natürlich bin ich auch stolz auf mich, dass ich mich für diese Patenschaft und diese Reise entschieden habe und mir selbst dieses Erlebnis zum Geschenk gemacht habe. Ich werde von nun an mit Kavindaya im Kontakt bleiben und ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht und wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja auch schon ganz bald wieder:-).

von Hedda S.

21.02. Karuna Samadhi in Yakkala : Bhante findet uns ein Patenkind
Großer Empfang im Bhantes Temple von Bogamuwa : mehr als 150 Personen, Kinder und Eltern, erwarten uns. Einige Pateneltern treffen sich mit ihrem Patenkind. Nach dem Mittagessen kommt Bhante zu uns und stellt uns ein junges Kind mit seinen Eltern vor : « Jean, ich habe ein Patenkind für dich » sagt einfach Bhante. Es ist so überraschend schnell geschehen, dass ich eine Weile sprachlos blieb. Erst dann kam die Freude in mir : ja auch ich konnte etwas für dieses Kind tun.

22.02. Dharmavortrag im weißen Tempel Develaola neben Bogamuwa
Erstaunlich ist es zu beobachten, wie mit spielerischer Leichtigkeit und listigem Humor unser Bhante die Gesamtheit der singhalesischen Teilnehmer in seine Dharmarede miteinbeziehen kann. Obwohl wir die Sprache nicht verstehen, spüren wir wie deutlich seine Überzeugungskraft auf alle wirkt.

23.02. Meditation im Guest House Silva Rest bei Unawatuna
Nach unserer ersten langen Reise in Richtung Süden fällt die Etappe im Silva Rest wie ein Zufluchtsort auf. Am Abend lädt uns Bhante zur Metta-Meditation ein. Schmerzen und Unbequemlichkeiten im Körper und Geist lösen sich schnell auf. Der Kopf wird klar, die Abendhitze wirkt kühler, der Geist betritt Ruhe und Gleichmut, wir fühlen uns innig verbunden.

28.02. Polonnaruwa : Ehrung von Bhante und den guten Werken von Karuna Samadhi
Selbstverständlich ist es heute ein Tag mit viel Lärm, Stress, Sicherheitsmaßnahmen und Förmlichkeiten, denn der Staatspräsident von Sri Lanka empfängt Bhante zu offizieller Ehrung. Persönlich lernen wir heute vieles über die gesamte Karuna Samadhi Organisation und ihr in ganz Sri Lanka ausgeprägtes Netzwerk Buddhistischer Mönchen. In Abwesenheit staatlicher Hilfe erbringen diese Mönchen neben ihren religiösen Aufgaben ebenfalls soziale Leistungen (Schulung, berufliche Ausbildung, finanzielle Hilfe, amtliche Aufgaben) zugunsten der gesamten Bevölkerung. Daher spielt der Buddhismus in Sri Lanka auch eine bedeutende politische Rolle.

29.02. Die « Heilige Stadt » Anuradhapura im Morgennebel
Direkt nach Sonnenaufgang erreichen wir das Viertel der Heiligen Stadt. Der überwältige Bodhibaum steht jetzt in unserer Nähe, wir setzen uns zur Meditation nieder. Währenddessen steigt Bhante die Treppe für Ordinierte und meditiert genau am Fuß des Bodhibaums mit. Nach einer Weile führen uns unsere Schritte weiter. Die Sonne scheint etwas stärker wie ein blasser Mond aus dem Nebel, der hellgraue Nebelschleier wird allmählich dünner und lässt in einer sehr nahen Ferne eine riesige weiße Kugel im Himmel erscheinen : die große weiße Dagoba nimmt langsam Form und schwebt majestätisch und überwältigend plötzlich vor unseren Augen.

29.02. Alter Tempel in der Ritigala Strict Natural Reserve : die drei Ebenen zur Erleuchtung
Unser Minibus fährt uns allmählich mittels immer schmalerer Fährten durch den Urwald. Unsere zivilisierte Welt gibt es allmählich nicht mehr. Wir stoßen endlich auf eine Lichtung. Nur einige, manchmal auch viele Affen kreisen über unsere Köpfe in den Bäumen : hier ist Endstation. Wir steigen aus und betreten den Pfad zum alten Tempel, der im 3. Jahrhundert vor Christus gebaut wurde. Der Pfad zur Erleuchtung ist steil. Er wird in drei Ebenen aufgeteilt, die den Vorschritt der Mönche zur Erleuchtung darstellen. Die Mönche einer bestimmten spirituellen Ebene dürfen nur die Stufen ihrer eigenen Ebene betreten, bis dass ihr Erleuchtungsgrad ihnen erlaubt, die nächste Ebene betreten zu dürfen. Der Pfad durch die drei Ebenen bildet die zwölf Stufen der Meditation bis zur vollen Erleuchtung ab. Eine seltsame aber sehr beruhende Umgebung mitten im Jungle!

01.03. Die Naturkräfte der heiligen Landschaft in Tantrimale
Nicht weit entfernt von Anuradhapura besichtigen wir einen Tempel, der sich in einer Landschaft befindet, die direkt aus den ersten Zeiten der Schöpfung des Menschen stammt. Hügelige Lavafelder aus dunklem Gestein umarmen kleine Flecken von dunkelgrünen Bäumen oder dunklen Wasserteichen mit blauen Lotusblumen geschmückt. Ausgrabungsstätte mit Freskomalereien bezeugen die Anwesenheit von Ureinheimischen aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Tempelruinen mit den Resten einer Palmenblätter-Bibliothek aus dem dritten Jahrhundert bezeugen ebenfalls das damalige aktive Leben Buddhistischer Mönchen in dieser Gegend. Bhante klettert über Felsen weiter und weiter, bis dass wir ihn auf einer Höhe eingeholt haben. Wir sitzen alle da, sprachlos, still und andächtig. Rund herum in der Ferne sehen wir nur Wälder und Felder, die unseren Lavaberg umgeben. Ein Affe auf dem höchsten Zweig seines Baums schaut uns von weitem an. Ein Pfau schwebt langsam über die Felder. Keine einzige Menschenspur. Eine lange Weile bleiben wir im Schweigen fasziniert sitzen, wie am frühen Morgen der Menschheit. Magische Zeiten!

Und Tag für Tag : der herzliche Empfang der Einheimischen
Innerhalb dieser zwei Wochen wurden wir fast jeden Tag, mittags oder abends, von singhalesischen Einheimischen, Mönchen oder Laien, zum Essen eingeladen. Alle geben sich soviel Mühe, die besten Produkte, ob Gemüse, Getreide, Obst, Getränke, vorzubereiten, dass wir jedesmal nie genau wissen, wie wir uns bedanken sollen. Sie bedienen uns auch mit soviel Bemühung und Liebenswürdigkeit, mit einem schönen Lächeln und glänzenden Augen, dass wir vor soviel Herzlichkeit einfach nur « Danke » sagen können, wohlwissend dass wir nicht viel zurück geben können. Dabei lernt man auch Demut.

Jean & Annick

Diese Reise stellte sich als eine der schönsten und glücklichsten Tage seit langer langer Zeit für mich heraus. Ich war in vielerlei Hinsicht überwältigt von der Schönheit dieses Landes und der Herzlichkeit der Menschen. Es war alles sehr liebevoll und durchdacht von Banthe Punnaratana organisiert, der uns Reisende einen exklusiven Einblick in die singhalesische Kultur und dem Buddhismus ermöglichte. Habe sehr viele intensive Eindrücke gewonnen und schätze mich glücklich diese Möglichkeit in meinem Leben erfahren zu haben.

Im Laufe meiner Patenreise habe ich gleich zwei meiner Patenkinder kennenlernen können. Rasanjana und Chantushan Rasanjana, mein bisheriges Patenkind, ist schon mein zweites, das ich dank der Möglichkeit von Karuna Samadhi in Sri Lanka unterstütze, vor ihm hatte ich Umesha, ein Mädchen. Rasanjana und ich kennen uns per Briefen ca. drei Jahre, er ist mittlerweile 18 Jahre alt und bereitet sich auf den Schulabschluss im Sommer vor. Wir hatten mehr oder weniger regelmäßigen Briefaustausch und oft stellte Rasanjana mir die Frage, ob ich beim nächsten Patentreffen dabei sein werde. Bei der letzten Patenreise wollte ich es bereits wahr machen, aber leider konnte ich dann doch nicht daran teilnehmen. Umso erfreulicher war es für mich, in diesem Jahr, 2016, ihn kennenzulernen. Ich war sehr gespannt auf ihn. Als er dann vor mir stand, und mir erzählte, das er gerne Pilot werden möchte, da überkam mich eine innere Freude und erfüllte mich auch mit Stolz, das ich ihn ein stückweit seines Lebens begleiten durfte. Wünsche ihm, dass alle seine Träume in Erfüllung gehen und wir vielleicht in Kontakt bleiben werden. Wer weiß, wenn er mich schon einmal nach Sri Lanka gebracht hat, vielleicht dann irgendwann in einem Flugzeug wieder.

Chantushan ist mein neues Patenkind, seit Anfang des Jahres, er ist 14 Jahre alt. Ihn habe ich das erste Mal in Yakkala gesehen und mein erster Gedanke war: „Little Buddha“. Ich lernte ihn zusammen mit seiner Mutter und seiner Cousine kennen und alle drei hatten diese unglaubliche Ausstrahlung. Wie ich erfuhr, starb sein Vater bei der Ausübung seiner Arbeit als Tuk-Tuk-Fahrer bei einem Verkehrsunfall, als Chantushan erst zwei Jahre alt war. Seine Mutter hat noch zwei weitere Kinder und ich möchte mir gar nicht ausmalen wie hart es für sie gewesen sein muss, sich und die Kinder durchzubringen. Chantushan ist der Jüngste, er hilft seiner Mutter im Haushalt und ist in der Klasse der Beste und auch Schulsprecher. Sein Berufswunsch steht schon fest, er möchte Anwalt werden. An meinem letzten Abend in Yakkala kam er mit seiner Mutter noch mal aus Colombo und überreichte mir ein selbstgebasteltes und schön gerahmtes Bild, das er angefertigt hat. Mir ist fast das Herz übergelaufen. Ich bin sehr froh, dass ich ihn schon nach so kurzer Zeit, die ich die Patenschaft übernommen habe, kennenlernen durfte und bin mir sicher, dass wir uns nicht das letzte Mal gesehen haben.

von Petra B.